[24.06.2026] Die demo­kra­ti­sche Fra­ge

Lie­be Freund*innen der Karl Marx Buch­handlung,

wir laden euch herz­lich zur Buch­prä­sen­ta­ti­on der Neu­aus­ga­be von »Die demo­kra­ti­sche Fra­ge« ein, die die­ses Jahr in der Rei­he »Schrif­ten« des Insti­tuts für Sozi­al­for­schung bei Cam­pus erschien. Die Ver­an­stal­tung ist eine Koope­ra­ti­on mit dem Insti­tut für Sozi­al­for­schung.

Die Erfah­run­gen auto­no­mer Zivil­ge­sell­schaf­ten im Osten wie im Wes­ten Euro­pas, aber auch dar­über hin­aus, präg­ten die 1989 ver­öf­fent­lich­te Ori­gi­nal­aus­ga­be die­ses damals viel­dis­ku­tier­ten Essays. Vor dem Hin­ter­grund der Aktio­nen von Dissident:innen gegen die Regime des ›real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus‹ und der Pro­tes­te der ›Neu­en Sozia­len Bewe­gun­gen‹ in den euro­päi­schen Staa­ten führ­ten die Autoren sei­ner­zeit die Theo­rien von Han­nah Are­ndt, Cor­ne­li­us Cas­to­ria­dis, Mar­cel Gau­chet und Clau­de Lefort in die Debat­ten um par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie und alter­na­ti­ve Poli­tik­for­men ein. Die zeit­his­to­ri­sche Kon­tro­ver­se zwi­schen ›Real­po­li­tik‹ und ›Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on‹ mag inzwi­schen so nicht mehr bezeich­net wer­den, hat aber gleich­wohl an Bri­sanz nicht ver­lo­ren. Die neue Per­spek­ti­ve, die zur ›Wen­de­zeit‹ mit den Kon­zep­ten öffent­li­cher Frei­heit und des sym­bo­li­schen Dis­po­si­tivs der Demo­kra­tie begrün­det wur­de, ist – wie Gün­ter Fran­ken­berg in der Ein­lei­tung zur Neu­auf­la­ge aus­führt – im Zei­chen der ›Zei­ten­wen­de‹ nach wie vor aktu­ell. Das gilt auch für die im Mit­tel­punkt ste­hen­de Vor­stel­lung von Demo­kra­tie als his­to­risch offe­nes und not­wen­dig ris­kan­tes Pro­jekt gesell­schaft­li­cher Selbst­re­gie­rung. Die Risi­ken des­sel­ben tre­ten nicht zuletzt im Vor­drin­gen auto­ri­tä­rer Regime, Bewe­gun­gen und Ein­stel­lun­gen zuta­ge – was die demo­kra­ti­sche Fra­ge gera­de heu­te wie­der auf die Tages­ord­nung setzt.

Im Gespräch mit Sami­ra Akba­ri­an und Ste­phan Les­se­nich stellt Gün­ter Fran­ken­berg die The­sen aus der Publi­ka­ti­on zur Dis­kus­si­on.

Gün­ter Fran­ken­berg ist Seni­or­pro­fes­sor für Öffent­li­ches Recht, Rechts­phi­lo­so­phie und Rechts­ver­glei­chung an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt a. M.

Sami­ra Akba­ri­an ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am Lehr­stuhl für Öffent­li­ches Recht und Rechts­phi­lo­so­phie an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt a. M.

Ste­phan Les­se­nich ist Pro­fes­sor für Gesell­schafts­theo­rie und Sozi­al­for­schung an der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt a. M. und Direk­tor des Insti­tuts für Sozi­al­for­schung.

Am Mitt­woch, den 24. Juni 2026, 20.00 Uhr fin­det die Buch­prä­sen­ta­ti­on mit anschlie­ßen­dem Gespräch in der Karl Marx Buch­handlung, Jor­dan­stra­ße 11, 60486 Frank­furt am Main statt.

Der Ein­tritt ist — wie immer — frei.

[15.04.2026] “bin weib­lich, bin männ­lich, dop­pelt”. Que­e­re DDR-Lite­ra­tur

Lie­be Freund*innen der Karl Marx Buch­handlung,

wir laden euch herz­lich zur Buch­prä­sen­ta­ti­on von »“bin weib­lich, bin männ­lich, dop­pelt”. Que­e­re DDR-Lite­ra­tur« von Fran­zis­ka Haug ein. Fran­zis­ka Haug, Lukas Betz­ler und Jonas Haug prä­sen­tie­ren den Sam­mel­band aus dem Mit­tel­deut­schen Ver­lag.

Die im Band »“bin weib­lich, bin männ­lich, dop­pelt”. Que­e­re DDR-Lite­ra­tur« ver­sam­mel­ten Bei­trä­ge sind ein unvoll­stän­di­ger Ver­such, den lite­ra­ri­schen Spu­ren des Nicht­iden­ti­schen in Geschlecht, Sexua­li­tät und Begeh­ren in der Lite­ra­tur der DDR nach­zu­ge­hen. »Que­er« beschreibt – wenn auch nach­träg­lich – das, was in Bezug auf Geschlech­ter­fra­gen in der DDR-Lite­ra­tur so kost­bar und inter­es­sant ist: dass sich in ihr eine Spra­che der Abwei­chung, der Spu­ren und Res­te für das Sexu­el­le, das Begeh­ren und Geschlecht fin­den lässt. Eine Spra­che, die noch kei­ne fes­ten Kate­go­rien und Ter­mi­ni kennt und somit Sexua­li­tät von den nicht­iden­ti­schen Rän­dern aus erschreibt. Que­er sind die Tex­te auch, weil sie nicht »nur« die Geschlechts­iden­ti­tät, die ver­ge­schlecht­li­chen Rol­len und Nor­men infra­ge stel­len, son­dern auch das ver­meint­lich gege­be­ne Geschlecht brü­chig wer­den las­sen.
Neben den FDJ-Poe­ten­se­mi­na­ren, der Les­ben­zeit­schrift »frau anders« und einem Gespräch mit dem Autor Nor­bert Marohn beschäf­ti­gen sich die Arti­kel des Ban­des mit den Autor:innen Irm­traud Morg­ner, Bri­git­te Rei­mann, Chris­ta Wolf, Chris­ta Rei­nig, Hel­ga Königs­dorf, Hel­ga Schütz, Sarah Kirsch, Maxie Wan­der, Wald­traut Lewin, Chris­ta Kożik, Nor­bert Marohn, Ronald M. Scher­nik­au, Franz Füh­mann und Erich Loest. Die­se Lis­te ist unvoll­stän­dig und auch nicht als Sys­te­ma­tik Quee­rer DDR-Autor:innen bzw. Quee­rer DDR-Lite­ra­tur zu ver­ste­hen. Viel­mehr ist sie ein ers­ter Vor­schlag, Lite­ra­tur aus der DDR unter que­er­ma­te­ria­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve zu betrach­ten. Que­er ist – das wird in allen Bei­trä­gen deut­lich – in der der hier bespro­che­nen Lite­ra­tur weni­ger allein ein inhalt­li­ches Akro­nym für diver­se Sexua­li­tä­ten, Begeh­ren und Geschlech­ter. Mehr noch zeigt sich Que­e­res aus­ge­hend vom lite­ra­ri­schen Mate­ri­al als ein ästhe­ti­sches Ver­fah­ren sowie als tex­tu­el­le ero­ti­sche Pra­xis.

Fran­zis­ka Haug führt in den Band ein, Jonas Haug stellt sei­ne Arbeit zu Bri­git­te Rei­manns »Fran­zis­ka Lin­ker­hand« vor und Lukas Betz­ler spricht über homo­se­xu­el­les Begeh­ren im Werk Franz Füh­manns. Gemein­sam wol­len wir das Ver­hält­nis von Que­er­ness und Sozia­lis­mus, Uto­pie und All­tag, Rea­lis­mus und Phan­tas­ti­schem uvm. in der Lite­ra­tur der DDR dis­ku­tie­ren. Anschlie­ßend freu­en wir uns auf Aus­tausch.

Am Mitt­woch, den 15. April 2026, 20.00 Uhr fin­det die Buch­prä­sen­ta­ti­on mit anschlie­ßen­dem Gespräch in der Karl Marx Buch­handlung, Jor­dan­stra­ße 11, 60486 Frank­furt am Main statt.

Der Ein­tritt ist — wie immer — frei.

Zum Aus­schluss drei­er Buch­hand­lun­gen vom Buch­hand­lungs­preis 2025

Die Frank­fur­ter Buch­hand­lun­gen Autoren­buch­hand­lung Marx & Co, Karl Marx Buch­handlung und Land in Sicht Buch­la­den ver­ur­tei­len den Aus­schluss drei­er Buch­hand­lun­gen vom aktu­el­len Buch­hand­lungs­preis und kri­ti­sie­ren das Ver­hal­ten von Kul­tur­staats­mi­nis­ter Wei­mer.

Als Buch­hand­lun­gen haben wir es uns zum Ziel gesetzt, mit unse­rem Pro­gramm und unse­ren Ver­an­stal­tun­gen das kul­tu­rel­le Ange­bot in Frank­furt am Main zu berei­chern und für neue Per­spek­ti­ven zu öff­nen. Wir wol­len Lite­ra­tur und Wis­sen­schaft in all ihren Facet­ten für jede Per­son zugäng­lich machen. Dafür ist Hal­tung nötig, auch und in vie­len Fäl­len sogar beson­ders eine poli­ti­sche. Wir alle haben uns sehr dar­über gefreut, die­ses Jahr mit dem Buch­hand­lungs­preis aus­ge­zeich­net wor­den zu sein. Die­ser Aus­druck der Wert­schät­zung und das damit ver­bun­de­ne Preis­geld wird von uns, wie von den aller­meis­ten unab­hän­gi­gen Buch­hand­lun­gen, benö­tigt und genutzt, um gera­de die­ses Ange­bot zu wah­ren, um Zugän­ge zu ermög­li­chen und gera­de klei­ne Ver­la­ge und ihr viel­fäl­ti­ges Pro­gramm dem Publi­kum prä­sen­tie­ren zu kön­nen.

Umso irri­tier­ter sind wir, dass die­ser Buch­hand­lungs­preis drei Buch­hand­lun­gen, die die­se Hal­tung tei­len, denen wir in ihrer poli­ti­schen und inhalt­li­chen Aus­rich­tung nahe­ste­hen, die wie unse­re Läden als Kol­lek­ti­ve geführt wer­den, nun aberkannt wird. Wir for­dern mit Nach­druck, dass die bei­spiel­lo­se Ent­schei­dung von einem unab­hän­gi­gen Preis­ver­ga­be­ver­fah­ren nach­träg­lich aus­zu­schlie­ßen, rück­gän­gig gemacht wird und dass die Vor­gän­ge die zu die­ser Ent­schei­dung geführt haben rest­los auf­ge­klärt wer­den. Und wir sind bereit unse­re betrof­fe­nen Kolleg*innen in jed­we­der Hin­sicht zu unter­stüt­zen.

Unse­re Kri­tik gilt dem Kul­tur­staats­mi­nis­ter Wolf­ram Wei­mer. Nicht nur weil er dem Votum der unab­hän­gi­gen Jury in einer intrans­pa­ren­ten Wei­se wider­spricht, son­dern vor­al­lem weil er die­sen Preis für ein unge­heu­res poli­ti­sches Manö­ver nutzt. Er macht deut­lich, dass die Kri­te­ri­en des Buch­hand­lungs­prei­ses nur sekun­där zu sein schei­nen, dass die Durch­set­zung einer poli­ti­schen Linie über­wiegt. Für die Durch­set­zung die­ser poli­ti­schen Linie greift er sogar auf den Ver­fas­sung­schutz zurück. Damit stellt er unab­hän­gi­ge Buch­hand­lun­gen unter einen Gene­ral­ver­dacht, der sie in ihrem Enga­ge­ment ver­un­si­chern soll und die­ses Enga­ge­ment auf lan­ge Sicht ver­un­mög­li­chen wird.

In Zei­ten eines gesell­schaft­li­chen Rechts­rucks Buch­hand­lun­gen unter Beschuss zu neh­men, die sich mit ihrem Sor­ti­ment, ihren Ver­an­stal­tun­gen und ihrer schie­ren Prä­senz anti­de­mo­kra­ti­schen Kräf­ten in den Weg stel­len, kann nicht anders ver­stan­den wer­den als eine Unter­stüt­zung eines rech­ten Kul­tur­kamp­fes. Die Ent­schei­dung des Minis­ters zeigt mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen wir uns als unab­hän­gi­ger Buch­han­del und in der Lite­ra­tur­land­schaft heu­te aus­ein­an­der­set­zen müs­sen.

Wir wer­den mit unse­ren Buch­hand­lun­gen wei­ter für einen soli­da­ri­schen und poli­tisch enga­gier­ten Buch­han­del ein­ste­hen und uns mit unse­rer täg­li­chen Arbeit dafür ein­set­zen.

Autoren­buch­hand­lung Marx & Co
Karl Marx Buch­handlung
Land in Sicht Buch­la­den